Spannung bis zur letzten Minute…. und noch etwas länger
Mit einem hauchdünnen Vorsprung von 8 Punkten auf den Trophy Drittplatzierten # 52 reisten wir als vorerst Vizemeister in der Trophyklasse zum letzten Rennen nach Oppenrod. Diese Strecke ist seit ein paar Jahren Pause wieder im Rennkalender und drei unserer Fahrer kannten diese nur von Videos. Auch dieser Fakt sollte die Spannung hochhalten. Nach altbewährtem Muster trafen wir alle am Donnerstag ein und machten es uns im neuen provisorischen Fahrerlager gemütlich. Leider spiegeln die äußeren Bedingungen – gerade im hygienischen Bereich – nicht die professionelle Kartbahnanlage wieder. Aber wir wären nicht KSR, wenn wir uns nicht zu helfen wüssten… Kurzer Hand stand eine blitzeblanke Dixitoilette für uns bereit – somit mussten wir nachts nicht 5 min durch finstere Nacht und Schlamm laufen. Danke an den edlen Spender!
Im freien Training am Freitag sammelten Collin, Lenny und Tizian
erste Erfahrungen und nach ein paar Stunden auf der Strecke gab es das einhellige Urteil: Der Kurs macht Spaß! Um die Feinheiten noch genauer herauszukitzeln, zeigte Felix beim trackwalk seinen Fahrerkollegen die richtigen Anbremspunkte und die perfekte Linie. Allerdings fanden wir nicht das richtige Setup. Irgendetwas passte nicht. Spur hinten enger-breiter, Luftdruck rauf - runter, Sturz mehr-weniger? Es blieb bis zuletzt ein großes Fragezeichen. Das Einsatzkart wurde am Freitagabend dennoch routiniert und konzentriert fertig gemacht und mit einer großen Portion Optimismus gingen wir bei 2°C ins Bett – im Wohnwagen – mit einer rekordverdächtigen Menge an dicken Decken… .
Der Samstag begrüßte uns mit kalten aber trockenem Wetter und im Qualifying fuhren wir erneut auf P 15. Unsere direkten Konkurrenten #91,# 52 und # 67 machten es etwas besser, wobei die #91 schon im Quali in einer völlig anderen Liga zu fahren schien (P 3 gesamt). Den Start übernahm routiniert Felix und er, wie auch alle anderen, hatten ne Menge zu tun, um irgendwie Temperatur in die Reifen zu bekommen. Auch 10.30 Uhr konnten nur einstellige Grad gemessen werden. Bei dem ein oder anderen endete dies im Gras. Unsere Cordula lieferte jedoch ab und Felix gab sich ein spannendes Rennen mit der #75 und unseren Verfolgern, der extrem starken #52. Die drei blieben rundenlang „unzertrennlich“. Die Stärke des GTC Feldes zeigte auch, dass es bereits nach 25 min zu ersten Überrundungen kam. Stint 2 übern
ahm Lenny und er gab alles, um die optimale Linie zu finden. Doch irgendwas lief falsch. Der Speed der ersten Stunde war wie weggeblasen. Auch Collin kämpfte in seiner Stunde um jede Zehntel. Was passierte gerade? Ratlose Gesichter, intensives Nachdenken – wir mussten irgendetwas tun, denn wir fanden uns zwischenzeitlich auf P 6 in der Trophywertung wieder – Vizemeistertitel ade… . Luftdruck anpassen – Reaktion des Karts gleich null, nicht schneller, nicht langsamer. Das passte mit überhaupt keiner Erklärung zusammen. Unsere Hinterarchse entwickelte langsam ein Eigenleben, ebenso lockerte sich die Bremse.
Andere Teams hatten die gleichen Speedprobleme und so langsam kam der Verdacht auf: diese Reifencharge ist nicht optimal. Es wurde wild gewechselt, auch auf die 6-8 Stunden alten Reifen aus Wackersdorf – und siehe da: es lief plötzlich. Wir hatten nichts mehr zu verlieren und entschieden uns nach 4,5 Stunden auch die rechten Reifen zu wechseln, wir hatten noch zwei nagelneuen in Petto – plötzlich 7 Zehntel schneller, endlich ging es wieder nach vorne. Wir schöpften Hoffnung, denn durch den Reifenwechsel konnten wir 1,5 Runden aufholen. Bei einem prüfenden Blick auf unser Kart fiel eine ganz schön lockere Kette auf und das Bremsverhalten hatte sich auch irgendwie verändert. Mit gemischten Gefühlen ging es in den Parc fermet und die wieder nasse Nacht. Der Restart am Sonntag versprach einiges an Spannung: die Strecke war noch nass, einige Teams wechselten in der Startaufstellung auf Regenreifen, wir blieben auf Sliks. Unser erfahrener Fahrer Felix Seidel ma
növrierte unsere Cordula auf der wie mit Schmierseife belegten Strecke. Eine Stunde Schwerstarbeit für ihn und all die anderen. Immer wieder gab es heftige Ausrutscher, krasses über die Curbs räubern und filmreife Dreher. Am Ende trocknete der Asphalt ab und der Vorteil der Regenreifen schwand dahin. Unser Team war über Nacht um drei wichtigte Mitglieder dezimiert worden. Lenny und seine Eltern fuhren nach Oschersleben zu den letzten Läufen der NATC. So mussten wir mit einer minimalen Besetzung die Herausforderungen meistern. Unsere direkten Konkurrenten kämpften mit Problemen: # 91 defekte Benzinleitung; #52 lockeres Rad und Zeitstrafen, #67 Zeitstrafe. Wir spulten das Programm ab. Collin, Tizian und unsere extrem coole Boxencrew gaben ihr Bestes auf und neben der Strecke. Wir lösten auch das große Problem, dass unser 2. 190 kg Fahrer Lenny ausfiel. Mit Zusatzgewichten am Kart und einer zusätzlichen Sitzschale schaffte Tizian es mit mehr als 190kg über die Waage zu rollen. Das hatte uns echt Kopfschmerzen bereitet… . Jeder unserer Fahrer horchte ins Kart hinein und es wackelte, rumpelte und quietschte an allen Ecken. Bloß kein Defekt! Wir fanden uns mittlerweile auf P 3 in der Trophyklasse und auf P 3 in der Sonderwertung wieder. Es wurde erneut extrem spannend. Eine Stunde vor Rennenende brainstorming und eine Teamentscheidung. Wir hatten die Möglichkeit, den Vizemeistertitel noch aus eigener Kraft zu holen und so setzen wir unseren stärksten Fahrer Felix hinters Steuer. Er brannte Fabelzeiten in den Asphalt und lieferte sich ein extrem spannendes Rennen mit der erneut erstarkten #91. Wir mussten alles geben vor der Mannschaft Kartbahn.de zu bleiben. Nur so hatten wir eine Chance. Die Teams verfolgten fast eine Stunde den Zweikampf der Piloten und fieberten am Streckenrand mit. Nur 3 sec trennten die beiden, mal war der eine mal der andere 1-2 Hundertstel schneller. Aber es sollte reichen – wir hielten P 3 in der Trophy und fanden uns schließlich auf P 1 in der Sonderwertung wieder. Was für ein G
efühlschaos!
Jetzt schnell eine Blitztabelle erstellt: # 67 Solidbam 290 Pkt.‚ # 52 FaF und wir #89 KSR je 265 Ptk., #91 Kartbahn.de 243 Pkt. Welch enges Kopf an Kopf Rennen nach dieser unglaublichen ersten Saison in der saustarken Trophyklasse. Die Jungs von FaF waren die gesamte Saison extrem schnell unterwegs, mussten aber immer wieder mit technischen Defekten kämpfen. In Oppenrod gewannen Sie völlig verdient die Trophyklasse und belegten einen beeindruckenden P 8 gesamt – ganz großen Glückwunsch an das gesamte Team!
Noch an der Strecke wurde das Reglement hoch und runter gelesen, was passiert bei Punktgleichheit: es zählen die Siege in der Saison - #52 und wir hatten je zwei Laufsiege eingefahren. Nun zählte der bessere Platz beim 24 h Rennen: DEN HATTEN WIR! Sollte es wahr sein? 3 Tage nach dem Rennen war es offiziell und die GTC bestätigte: Kollektiv Seidel Racing wird Vizemeister in der Trophywertung 2024! Wir sind unglaublich stolz auf dieses Ergebnis. Nach dem Sieg in der Bebacup Einsteigerklasse 2023 nun ein 2. Platz in der semiprofessionellen Trophywertung. Außerdem konnten wir uns um 4 Plätze im Gesamtklassement verbessern: 2023 P 15 gesamt, 2024 P 11 gesamt.
Die Saison 2024 steht in den Büchern, wir blicken mit Stolz zurück und freuen uns auf das Jubiläumsjahr 2025 – Kollektiv Seidel Racing fährt im 10. Jahr in der GTC!
Wer hätte das gedacht…